It is a man´s world wide web! Frausein in der digitalen Welt - zwischen Geschlechterklischees und digitaler Gewalt

Die Internet, der digitale Welt, das Soziale Medien? Von außen betrachtet könnte man meinen, das Internet sei ein „neutraler Ort“, in dem vielfältige Meinungen von allen Teilen der Gesellschaft gleichwertig abgebildet werden. Wirft man aber einen genaueren Blick, dann fällt auf, dass sich im Netz viele Geschlechterklischees finden. Denn auch die digitale Welt wird von Menschen gemacht. Und die Mehrheit dieser Macher*innen sind männlich. Männer führen beispielsweise drei Viertel der Tech-Industrie-Unternehmen und schreiben bis zu 94% der Inhalte der Online-Enzyklopädie Wikipedia. Digitale Angebote sind also von der männlichen Perspektive geprägt, die sich in vielen Formen zeigt.

Sprachassistenzprogramme mit weiblichen Stimmen

Sprachassistentenprogramme, ob Siri auf dem Smartphone oder Alexas Stimme im Wohnzimmer, haben meist eine weibliche Stimme und verhalten sich unterwürfig und passiv. Zuweilen reagieren sie sogar flirtend auf Beleidigungen und Belästigungen. Einem digitalen Diener mit weiblichen Stimme werden Befehle ohne ein „Bitte“ oder „Danke“ erteilt und eine klaglose Ausführung erwartet. Es ist auffällig, dass weibliche Assistenzprogramme meist im Service-, Dienstleistungs- und im sozialen Bereich eingesetzt werden - man bestellt über sie eine Pizza oder fragt ärztliche Hilfe an. Männliche Sprachassistenten hingegen finden sich eher in den Bereichen Business und Banking oder in der Rechtsberatung. Diese Aufteilung bestätigt und verfestigt alte Rollenklischees, die seit Jahrzenten bekämpft werden und man als überwunden glaubte.

Das Projekt feminist internet will dies ändern und entwickelt Prototypen für selbstbewusste, feministische Sprachassistentinnen, die sich bei Beleidigungen wehren und fernab von Rollenklischees Jugendlichen Rat geben. Die Prototypen werden nicht auf den Markt kommen, Ziel von feminist internet ist es ein Bewusstsein zu schaffen, das hoffentlich einen Wandel bei den Herstellern herkömmlicher Assistenzprogramme bewirkt.

Sexismus in der Werbung und TV

Stereotype und sexualisierte Darstellungen von Mädchen und Frauen finden sich in Werbung, TV und Filmen. Castingshows wie Germany’s next Topmodel und die Werbung des Bundesverkehrsministeriums mit leichtbekleideten Radfahrer*innen mit Helm sind zurzeit populäre Beispiele. Das Projekt Pinkstinks hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese Darstellungen anzuprangern. Zudem bietet ihre App Werbemelderin die Möglichkeit selbst problematische Werbeanzeigen einzureichen. Diese werden anhand erprobter Kriterien geprüft und kommentiert. Zudem wird der Preis „Pinker Pudel“ für vorbildliche, geschlechtergerechte Werbung vergeben, der zeigt, wie Werbung auch ohne Sexismus gehen kann.

#Digitale Gewalt

Digitale Gewalt gegen Mädchen und Frauen ist sehr facettenreich. Die wohl bekannteste Form ist die sogenannte Hate Speech, also Hassrede. Davon spricht man, wenn Menschen (im Netz) öffentlich beschimpft, abgewertet oder bedroht werden oder wenn zu Gewalt aufgerufen wird. Opfer von Hassrede kann jede*r werden, allerdings sind Frauen, LGBTIQ* und People of Color in einem besonderen Ausmaß betroffen. Die Gewaltandrohungen ihnen gegenüber sind oftmals sexualisiert.

Ein weiteres bekanntes Phänomen ist Cybermobbing. Damit ist das Schikanieren, Beleidigen und Ausgrenzen von einer oder mehreren Personen durch E-Mails, Messenger-Nachrichten oder Posts in sozialen Netzwerken gemeint.

Wenn Fotos, die in einem privaten Rahmen entstanden sind, drohen nach außen zu gelangen, spricht man von bildbasierter sexualisierter Gewalt. Dies kann beispielsweise der Fall sein, wenn der Ex-Partner droht die Bilder herauszugeben oder jemand Drittes Zugang zu den Fotos hat und diese teilt oder es androht.

Von Cyberstalking spricht man im Falle von wiederkehrendem und beharrlichem Verfolgen und Belästigen unter anderem über E-Mails, Messenger oder soziale Netzwerke. Betroffene werden bedroht, genötigt oder auch erpresst. Dazu gehört auch das Ausspionieren des Smartphones oder Computers mit Spyware oder das Bloßstellen und die Verleumdung im Internet. Zuweilen kommt es auch zum Identitätsdiebstahl, bei dem der Täter oder die Täterin zum Beispiel einen Facebook-Account hackt und Inhalte postet. Auch die Erstellung eines Fake Profils in den Sozialen Medien oder in Dating Apps mit dem Namen und Foto des Betroffenen fällt darunter.

Doxing bezeichnet das Sammeln persönlicher Daten aus dem Internet, wie zum Beispiel der E-Mail-Adresse, Telefonnummer, Wohnort, Arbeitsstelle und Geburtsdatum und die Drohung der gebündelten Veröffentlichung dieser. Das wird meist von dem Aufruf begleitet, der betroffenen Person durch Bedrohung oder Belästigung zu schaden. Dies kann so weit gehen, dass Betroffene mit körperlichen Angriffen, Vergewaltigung oder Mord bedroht werden. Ziel von Doxing ist es, die betroffene Person einzuschüchtern. Betroffene sind häufig politisch aktive Menschen, die zum Schweigen gebracht werden sollen.

Wo gibt es Unterstützung? Und was können wir tun?

Diese Institutionen bieten betroffenen Mädchen Unterstützung:

Jugend.support bietet Kindern ab 12 Jahren und Jugendlichen Rat und Hilfe bei Problemen im Netz. Hier wird ausführlich zu den verschiedenen Themen informiert, zu online und telefonischen Beratungsstellen vermittelt und aufzeigt, wie man problematische Inhalte melden.

Die Nummer gegen Kummer bietet Kinder, Jugendlichen und Eltern Unterstützung, und hilft bei allen Fragen, Sorgen und Problemen - natürlich auch zum Thema Internet.

Das Projekt Frauen gegen Gewalt des Bundesverbandes der Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe informiert zu digitaler Gewalt, gibt technische Hilfestellungen, bietet mit bundesweiten Beratungseinrichtungen direkte Unterstützung und verweist auf Webseiten, die bei digitaler Selbstverteidigung helfen können.

Um das Netz zu einem Ort der Geschlechtergerechtigkeit zu machen, in dem niemand marginalisiert und diskriminiert wird, ob weiblich, LGBTQ, People of Colour, Menschen mit Behinderungen u.a., schlägt Charlotte Webb von feminst internet Verschiedenes vor:

  • Integrativen Angeboten auf Social Media Plattformen folgen und sexistischen Angeboten entfolgen
  • Bei Hasskommentaren Solidarität zeigen und/ oder Hasskommentare bei der jeweiligen Plattform anzeigen
  • Gute, vorbildliche Projekte unterstützen und teilen

„Denn, wir sind alle das Internet, und wenn du willst kannst du auch das feministische Internet sein!“ (Charlotte Webb)

Weitere Informationen:

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