Texten für Kinder - (k)ein Kinderspiel: Aufbereitung von Online-Texten

Aufbereitung von Online-Texten

Auf Webseiten wird anders gelesen und rezipiert als auf Papier. Lesen am Bildschirm kann anstrengend sein, wenn die Augen unermüdlich versuchen endlos langen Textzeilen in kleiner Schriftgröße zu folgen. Klar gibt es mittlerweile hochauflösende und lesefreundliche E-Book-Reader, Monitore und Tablets. Dennoch ist die Qualität beim digitalen Lesen eine andere, nicht besser oder schlechter, sondern anders. Da stellt sich die Frage nach der Aufbereitung eines Textes.

 

Struktur und Gliederung

Hilfreich ist eine klare Gliederung der Texte, um das Leserauge am Bildschirm zu unterstützen. Die Augen, die über den Monitor fliegen, suchen nach Halt und Orientierung, gerade bei Leseanfänger/innen. Längere Texte lesen sich leichter, wenn sie in Häppchen angeboten werden. Absätze mit Zwischenüberschriften strukturieren Bildschirmtexte. Der Leser/Die Leserin kann den Textzeilen folgen, Pausen einlegen und findet End- und Startpunkte der Abschnitte leichter. Solche optischen Hilfen sind beim Online-Lesen längerer Texte für Kinder nahezu unverzichtbar, da das Lesen am Bildschirm nicht mit Fingerspitze, Bleistift, Textmarker oder ähnlichen haptischen Hilfen begleitet wird. Durch prägnante Überschriften ergibt sich eine fassbare Gliederung. Absätze führen die Leser/innen durch das Textangebot und bieten Orientierung. So verleihen Absätze Struktur - aber Vorsicht: zu viele Absätze können den Lesefluss auch stören und den Text "zerfleddern". Angebracht ist - wie so oft - ein gekonntes Mittelmaß.

Häppchen-Wissen gewünscht? Vielleicht möchten Sie aber auch ganz bewusst Textblöcke anbieten, die unabhängig voneinander gelesen werden können? Durch Abschnitte mit aussagestarken Zwischenüberschriften kann der Leser/die Leserin die für ihn/sie interessanten Inhalte aussuchen. So kann sich jedes Kind das herausgreifen, was es lesen möchte. Diese Art der Aufbereitung entspricht übrigens dem typischen "Scannen", mit dem die meisten erwachsenen Online-Leser/innen sich durch das World Wide Web lesen.

Längerer Fließtext gewünscht? Sofern gute Gründe für einen längeren Fließtext sprechen (z.B. bei Märchen oder Geschichten), gibt es die Möglichkeit, den Text in schmalere Spalten zu fassen und / oder den Text in einer Druck-Version anzubieten.

 

Text gestalten

Über die Wahl von Schriftart (möglichst serifenlos) und Schriftgröße (nicht unter 10 Punkt), den Zeilenabstand und auch den Wortabstand, lässt sich bessere Lesbarkeit erreichen. Sollen wichtige Aussagen oder Begriffe hervorgehoben werden, können diese fett, kursiv oder farbig gesetzt werden. Aber Vorsicht, auch hier gilt: In Maßen, denn der Text darf nicht zum bunten Fleckenmeer ausufern. Das hätte Unübersichtlichkeit zur Folge. Ausnahme sind gewollte visuelle Text-Spielereien, z.B. für Wortspiele, Reime oder Ähnliches.

Screenshot LegaKidsÜber die Typografie von Onlinetexten gibt es verschiedene Meinungen. Die einen legen Wert darauf, dass Text auf Webseiten modern, cool oder schick aussieht. Den anderen geht es mehr um Lesbarkeit, Barrierefreiheit und praktischen Nutzen. Für welche Form von Typografie und Layout Sie sich auch entscheiden, denken Sie stets daran, dass Kinder oft noch nicht so lesefit sind wie Erwachsene. Die Kinderseite Legakids möchte Kinder mit Lese- und Rechtschreibschwäche unterstützen. Dort finden sich einige interessante optische Lesehilfen für Texte, wie z.B. verschiedene Einfärbungen von Wortteilen bzw. Silben.

 

Webtypische Extras - Bilder, Multimedia und Vernetzung

Zusätzliche Elemente wie anklickbare Lexikonbegriffe, Erklärkästen, Illustrationen oder Infografiken können Textinhalte bereichern oder für leichteres Erfassen sorgen. Themen können durch Bilder oder Interaktion vielfältig visualisiert werden. Illustrationen, Fotos und Bilder veranschaulichen den Text und visualisieren abstrakte Begebenheiten. Passende Bilder helfen einen Text zu verstehen und machen ihn interessant. Nutzen Sie die Möglichkeiten, die das multimediale Web bietet :-) [Infos zu Fotorechten enthalten die Wikibeiträge Urheberrecht: Lizenzen für Bilder und Fotos und Recht am eigenen Bild].

Das Internet ist ein Informations- und Vernetzungsmedium, auch das sollten Sie ausschöpfen. Hypertext bietet die Möglichkeit, interne Verlinkungen zu Begriffserklärungen oder weiterführenden Inhalten einzufügen. Vernetzen und verlinken Sie am Ende eines Textes auch auf andere Angebote, die den Kindern zusätzliche Informationen, Spiele oder Aufgaben zu Ihrem Thema anbieten. Die Kinder werden so zum Weiterlesen, Recherchieren und Surfen animiert [Mehr zu diesem Thema im Wikibeitrag Hyperlink.].

 

Ein Patentrezept für eine „richtige“ Aufbereitung von Online-Texten für Kinder ist schwer zu finden. Jeder Text bestimmt durch seine Funktion auch ein Stück weit seine Gestaltung. Vielleicht könnte man abschließend zur Text-Aufbereitung noch drei allgemeingültige Tipps auflisten:

  1. Überlegen Sie, was der Text erreichen will (Informieren? Bilden? Unterhalten?) und ob es Pflicht ist, dass er (ganz) gelesen wird, oder ob auch ein Auslassen oder Überspringen einzelner Absätze möglich sein kann.
  2. Haben Sie stets die jungen Leser/innen vor Augen, die weniger Leseerfahrung haben als Erwachsene.
  3. Denken Sie daran, dass Browser und Bildschirmauflösung Einfluss auf die Darstellung haben, so dass der Text nicht unbedingt bei jedem gleich angezeigt wird.

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